Zahnfleischbluten ist in den allermeisten Fällen ein Entzündungszeichen – und nicht der Beweis dafür, dass Sie zu kräftig geputzt haben. Wenn Ihr Zahnfleisch beim Putzen blutet, hilft zunächst dieses Vorgehen: Spülen Sie den Mund mit lauwarmem Wasser, drücken Sie ein sauberes, feuchtes Tuch etwa zehn Minuten auf die Stelle und putzen Sie danach weiter, gerade dort, wo es geblutet hat, allerdings mit weichen Borsten und wenig Druck.

Reinigen Sie zudem einmal täglich die Zahnzwischenräume. Bei konsequenter Reinigung geht eine Zahnfleischentzündung und damit auch das Zahnfleischbluten meist innerhalb von ein bis zwei Wochen zurück. Hält das Zahnfleischbluten danach an, tritt es ohne Berührung auf oder kommen Schwellung, Fieber oder lockere Zähne dazu, gehört der Befund zahnärztlich abgeklärt.

Zahnfleischbluten stoppen: Was Sie in den nächsten zehn Minuten tun

Bei Zahnfleischbluten handelt es sich um Blut, das aus dem Zahnfleischsaum austritt – typischerweise beim Zähneputzen, bei der Zahnseide oder beim Abbeißen von hartem Brot. Die akute Blutung selbst lässt sich fast immer mit einfachen Mitteln beruhigen.

Wichtig ist die Unterscheidung: Sie stoppen mit diesen Schritten das sichtbare Zahnfleischbluten, nicht seine Ursache. Um die kümmern sich die Abschnitte danach.

Diese sieben Schritte helfen in der Reihenfolge, in der sie hier stehen:

  1. Spülen Sie mit lauwarmem Wasser, nicht mit heißem und nicht mit hochprozentigem Mundwasser. Wärme und Alkohol regen die Durchblutung zusätzlich an.
  2. Üben Sie zehn Minuten Druck aus. Nehmen Sie ein sauberes, angefeuchtetes Mulltuch oder ein Wattestäbchen und drücken Sie es ruhig auf die Stelle, ohne zwischendurch nachzusehen.
  3. Kühlen Sie von außen, etwa mit einem in ein Tuch gewickelten Kühlpad, für rund zehn Minuten pro Wange.
  4. Verzichten Sie auf Schmerzmittel mit Acetylsalicylsäure zur Selbstmedikation, sofern Ihnen niemand ärztlich dazu geraten hat. Dieser Wirkstoff hemmt die Blutgerinnung.
  5. Putzen Sie danach weiter – auch an der blutenden Stelle. Wer die Region ausspart, füttert genau die Entzündung, die blutet.
  6. Reinigen Sie die Zahnzwischenräume einmal täglich mit Interdentalbürste oder Zahnseide, ebenfalls mit ruhiger Hand.
  7. Notieren Sie den Verlauf: seit wann, an welchen Zähnen, wie oft, wie stark. Diese Angaben verkürzen später jedes Beratungsgespräch.

Weil Zahnfleischbluten fast immer aus entzündetem Gewebe stammt, ist das Weiterputzen der entscheidende Punkt. Sauberes Zahnfleisch blutet nach kurzer Zeit weniger, nicht mehr.

Warum blutet mein Zahnfleisch beim Zähneputzen?

Gesundes Zahnfleisch blutet bei normalem Putzen nicht. Blutet es doch, liegt hinter dem Zahnfleischbluten meistens eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis), die durch bakteriellen Zahnbelag am Zahnfleischrand entsteht. Das Gewebe ist dann stärker durchblutet, das Deckgewebe dünner und verletzlicher – deshalb genügt bereits leichter Kontakt.

Der Zahnbelag (Biofilm) baut sich innerhalb weniger Stunden neu auf. Bleibt er 24 bis 72 Stunden ungestört am Zahnfleischrand liegen, reagiert das Gewebe darauf mit einer Entzündung. Genau deshalb entsteht Zahnfleischbluten nicht plötzlich, sondern schleichend über Tage.

Aufschlussreich ist die Verteilung: Das Zahnfleischbluten tritt dort auf, wo am wenigsten gereinigt wird. Häufig sind das die Innenflächen der unteren Frontzähne, die letzten Backenzähne und sämtliche Zahnzwischenräume. Das Portal des Bundesgesundheitsministeriums beschreibt blutendes Zahnfleisch entsprechend als eines der Leitzeichen einer Zahnfleischentzündung.

Daneben gibt es Faktoren, die Zahnfleischbluten verstärken oder überhaupt erst auslösen:

  • überstehende Füllungs- oder Kronenränder, an denen sich Belag festsetzt
  • feste Zahnspangen, Attachments und Zungen- oder Lippenpiercings
  • Mundatmung und ein trockener Mund, etwa als Nebenwirkung von Medikamenten
  • hormonelle Umstellungen in Pubertät, Schwangerschaft oder unter Hormonpräparaten
  • selten: ein ausgeprägter Vitamin-C-Mangel oder eine Erkrankung des Blutbildes

Wie putzen Sie richtig am Zahnfleischrand?

Der Zahnfleischrand ist die schmale Zone, in der Zahn und Zahnfleisch zusammentreffen. Dort sammelt sich der Biofilm zuerst, und dort beginnt die Blutung. Wer nur die glatten Flächen poliert, reinigt an der entscheidenden Stelle vorbei.

Diese sechs Punkte beschreiben die Technik, die am Zahnfleischsaum tatsächlich greift:

  1. Winkel: Setzen Sie die Bürste im 45-Grad-Winkel an, sodass die Borstenspitzen leicht in Richtung Zahnfleischsaum zeigen und ein Stück weit in den Randspalt reichen.
  2. Bewegung: Rütteln Sie zunächst rund zehnmal auf der Stelle, danach wischen Sie zur Kaufläche hin aus. Querschrubben verletzt den Saum, ohne den Belag zu lösen.
  3. Druck: Etwa 150 Gramm reichen aus. Wer unsicher ist, drückt die Bürste einmal auf eine Küchenwaage und merkt sich das Gefühl.
  4. Reihenfolge: Beginnen Sie immer an derselben Stelle und arbeiten Sie sich Fläche für Fläche vor. Die Innenseiten der unteren Frontzähne kommen zuerst.
  5. Elektrische Bürste: Führen Sie den Kopf Zahn für Zahn, verweilen Sie je Fläche einige Sekunden und lassen Sie das Gerät arbeiten. Zusätzliches Schrubben hebt die Wirkung nicht.
  6. Abfolge: Reinigen Sie erst die Zwischenräume und putzen Sie anschließend, damit das Fluorid der Zahnpasta auch dorthin gelangt.

In den ersten Tagen blutet es unter dieser Technik häufig etwas mehr, weil die Bürste die entzündeten Stellen erstmals erreicht. Nach zehn bis vierzehn Tagen kehrt sich das um. Prüfen lassen können Sie Ihre Technik bei einem Termin zur Anleitung am eigenen Gebiss.

Soll ich bei Zahnfleischbluten die Zahnseide weglassen?

Nein – und dieser Irrtum hält sich hartnäckig. Wer die Zahnseide weglegt, sobald es blutet, entfernt den Belag nicht mehr, der das Zahnfleischbluten überhaupt verursacht. Die Entzündung bleibt aktiv, und beim nächsten Versuch blutet es genauso.

Sieben Interdentalbürsten in verschiedenen Größen und Farben stehen nebeneinander vor einem hellblauen Hintergrund

Richtig ist stattdessen: In den ersten Tagen einer neu begonnenen Zahnzwischenraumpflege blutet es bei vielen Menschen. Sofern Sie täglich dranbleiben, nimmt das Zahnfleischbluten in aller Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen deutlich ab. Bleibt es länger, ist das ein Grund für einen Termin, nicht für einen Abbruch.

Ein Gegentest macht das schnell greifbar: Reinigen Sie eine Woche lang nur eine Kieferhälfte zusätzlich mit Interdentalbürste. Auf der gereinigten Seite lässt das Zahnfleischbluten meist sichtbar nach, auf der anderen bleibt es unverändert. Die Blutung folgt also der Reinigung, nicht dem Werkzeug.

Auf die Technik kommt es dabei an. Führen Sie die Zahnseide nicht schnappend in den Zwischenraum, sondern schieben Sie sie mit leichten Sägebewegungen hinein, legen Sie sie C-förmig um den Zahn und ziehen Sie sie am Zahn entlang nach oben. Interdentalbürsten sind bei größeren Zwischenräumen häufig wirksamer, allerdings nur in der passenden Größe – sie sollen mit leichtem Widerstand hindurchgleiten, ohne zu schmerzen. Welche Größe zu Ihnen passt, zeigt Ihnen ein Termin zur Prophylaxe mit individueller Putzanleitung.

Welche Putzfehler lösen die Blutung immer wieder aus?

Viele Betroffene putzen nicht zu wenig, sondern falsch. Wiederkehrendes Zahnfleischbluten hat deshalb häufig eine technische Ursache und keine medizinische. Die sechs häufigsten Fehler und ihre Korrektur:

Fehler beim Putzen Was dabei passiert Besser so
Kräftiges Schrubben quer über den Zahnfleischrand Reizung des Randsaums, langfristig Rückgang des Zahnfleischs Kleine rüttelnde Bewegungen, Bürste im 45-Grad-Winkel zum Zahnfleischrand
Harte oder mittelharte Borsten Verletzung des entzündeten Gewebes, ohne mehr Belag zu lösen Weiche, abgerundete Borsten; die Belagentfernung leistet die Technik, nicht die Härte
Zu viel Druck, auch bei elektrischen Bürsten Blutung, empfindliche Zahnhälse, keilförmige Defekte So wenig Druck, dass eine reife Tomate darunter unbeschädigt bliebe; Andruckkontrolle nutzen
Putzzeit unter zwei Minuten Ganze Flächen bleiben unberührt Zweimal täglich zwei Minuten, systematisch außen, innen, Kaufläche
Zahnzwischenräume ausgelassen Rund ein Drittel der Zahnoberfläche bleibt ungereinigt Einmal täglich Interdentalbürste oder Zahnseide, vorzugsweise abends
Bürste seit über drei Monaten in Gebrauch Verbogene Borsten reinigen schlechter und reizen mehr Bürstenkopf spätestens alle drei Monate wechseln, nach Infekten früher

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Technik trägt, lässt sich das objektiv prüfen: Bei einer professionellen Zahnreinigung lassen sich Beläge anfärben, sodass Sie Ihre eigenen Lücken sehen.

Rauchen und Vitaminmangel: zwei unterschätzte Einflüsse

Rauchen verändert das Bild in beide Richtungen. Nikotin verengt die kleinen Gefäße im Zahnfleisch, weshalb eine bestehende Entzündung weniger sichtbar blutet. Zugleich arbeitet die körpereigene Abwehr im Gewebe schlechter, sodass der Abbau des Zahnhalteapparats trotz unauffälliger Optik voranschreiten kann. Wer raucht, sollte sich daher nicht am Zahnfleischbluten orientieren, sondern an regelmäßigen Messungen der Zahnfleischtaschen.

Nach einem Rauchstopp blutet das Zahnfleisch zunächst oft stärker. Der Grund ist erfreulich: Die Durchblutung normalisiert sich, und die vorher unterdrückte Entzündungsreaktion zeigt sich wieder. Nach einigen Wochen konsequenter Reinigung geht die Blutung zurück.

Einen Vitamin-C-Mangel vermuten viele, hierzulande kommt er jedoch selten vor. Vitamin C wird für die Bildung von Kollagen benötigt, das das Stützgerüst des Zahnfleischs bildet; fehlt es über Monate, wird das Gewebe locker und blutet leicht. Betroffen sind am ehesten Menschen mit einseitiger Ernährung oder chronischen Darmerkrankungen. Eine ausgewogene Kost deckt den Bedarf, Präparate ersetzen die tägliche Reinigung dagegen nicht.

Welche Rolle spielen Blutverdünner und andere Medikamente?

Gerinnungshemmende Medikamente verursachen kein Zahnfleischbluten – sie verlängern und verstärken eine Blutung, die ohnehin entstanden wäre. Wer unter Blutverdünnern plötzlich Zahnfleischbluten bemerkt, hat deshalb meist nicht das falsche Medikament, sondern eine übersehene Entzündung. Die Ursache bleibt der Belag am Zahnfleischrand. Deshalb gilt: Setzen Sie Acetylsalicylsäure, Clopidogrel, Phenprocoumon oder ein direktes orales Antikoagulans niemals eigenmächtig ab. Das Absetzen kann gefährlicher sein als die Blutung selbst.

Sinnvoll ist stattdessen, die Praxis vorab zu informieren und Medikationsplan oder Antikoagulanzien-Ausweis mitzubringen. So lässt sich jeder Eingriff darauf abstimmen.

Auch andere Wirkstoffgruppen spielen mit hinein. Bestimmte Calciumantagonisten, Ciclosporin und Phenytoin können zu einer Zahnfleischwucherung (Gingivahyperplasie) führen; das vergrößerte Gewebe lässt sich schwer reinigen und blutet entsprechend leicht. Viele Antidepressiva und Blutdrucksenker wiederum trocknen den Mund aus, wodurch der schützende Speichelfilm fehlt.

Ein Warnzeichen sollten Sie ernst nehmen: Falls eine Blutung unter Gerinnungshemmung auch nach 20 Minuten ruhigem Druck nicht steht, sollten Sie noch am selben Tag zahnärztlich oder ärztlich Kontakt aufnehmen.

Blutendes Zahnfleisch in der Schwangerschaft: kurz erklärt

In der Schwangerschaft reagiert das Zahnfleisch auf dieselbe Belagsmenge stärker als sonst, weil die hormonelle Umstellung die Gefäße und das Bindegewebe verändert. Typischerweise beginnt das Zahnfleischbluten im zweiten oder dritten Monat und klingt nach der Geburt wieder ab. An der Reinigung ändert sich nichts, sie wird nur wichtiger: weiche Bürste, tägliche Zwischenraumpflege, bei Übelkeit nach dem Erbrechen zunächst mit Wasser spülen und erst später putzen. Eine zahnärztliche Kontrolle während der Schwangerschaft ist ausdrücklich sinnvoll. Was dabei geprüft wird, behandeln wir in einem eigenen Beitrag zur Mundgesundheit in der Schwangerschaft.

Wann ist Zahnfleischbluten ein Fall für die Zahnarztpraxis?

Nicht jedes Zahnfleischbluten braucht einen Termin am selben Tag, manche Konstellationen aber schon. Diese Übersicht ordnet die häufigsten Situationen nach Dringlichkeit ein:

Zahnärztlicher Behandlungsstuhl mit orangefarbenem Polster und Ablage mit sterilen Instrumenten und Tupfern
Situation Wie dringend Was zu tun ist
Blutung steht nach 20 Minuten Druck nicht oder tritt pulsierend aus sofort Sofort zahnärztlich abklären lassen
Fieber, starke Schmerzen, gräulicher Belag, fauliger Geschmack, geschwollene Lymphknoten sofort Am selben Tag abklären lassen
Schwellung, Eiteraustritt oder Druckgefühl an einer Stelle innerhalb weniger Tage Termin vereinbaren, nicht selbst öffnen oder drücken
Zahnfleisch blutet ohne Berührung, etwa nachts auf dem Kissen innerhalb weniger Tage Termin vereinbaren, Blutungsstellen notieren
Zähne wirken länger, wandern oder lockern sich zeitnah, ein bis zwei Wochen Parodontologische Untersuchung erbitten
Zahnfleischbluten hält nach 14 Tagen sorgfältiger Reinigung an innerhalb von zwei Wochen Befund und Reinigungstechnik überprüfen lassen
Zusätzlich blaue Flecken, Nasenbluten oder Blutungen an anderen Stellen zeitnah Zusätzlich hausärztlich abklären lassen
Blutung nur an einem einzelnen Zahn über mehrere Wochen zeitnah Auf Füllungsrand, Krone oder eingespießten Fremdkörper prüfen lassen

Anhaltendes Zahnfleischbluten ist außerdem das Symptom, mit dem eine Parodontitis am häufigsten auffällt. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung führt blutendes Zahnfleisch entsprechend unter den ersten Anzeichen einer Parodontitis. Ob bei Ihnen nur der Zahnfleischsaum oder bereits der Zahnhalteapparat betroffen ist, klärt eine Untersuchung im Rahmen der Behandlung von entzündetem Zahnfleisch.

Was hilft in den ersten 14 Tagen – und was nicht?

Zwei Wochen sind ein guter Selbsttest: So lange dauert es üblicherweise, bis eine oberflächliche Entzündung auf verbesserte Reinigung anspricht. Diese Tabelle trennt beim Zahnfleischbluten Wirksames von Wirkungslosem.

Maßnahme Was sie leistet Grenzen
Weiche Bürste, zweimal täglich zwei Minuten Entfernt den Biofilm, der die Blutung auslöst Wirkt nur bei vollständiger Systematik, nicht bei ausgelassenen Flächen
Interdentalbürste in passender Größe Reinigt die Zwischenräume, wo es am häufigsten blutet Falsche Größe reizt oder reinigt zu wenig
Zahnseide Sinnvoll bei engen Zwischenräumen Anspruchsvollere Handhabung als die Interdentalbürste
Fluoridhaltige Zahnpasta Schützt die freiliegenden Zahnhälse rund um entzündetes Zahnfleisch Beeinflusst die Blutung selbst nicht
Chlorhexidin-Spülung 0,1 bis 0,2 % Kann eine begrenzte Zeit als Ergänzung dienen Nur nach zahnärztlicher Rücksprache und kurzfristig; Zahnverfärbungen und Geschmacksveränderungen möglich
Spülung mit Salzwasser oder Kamillentee Wird oft als angenehm empfunden Löst keinen Biofilm und ersetzt keine mechanische Reinigung
Ölziehen Kein belegter Ersatz für Bürste und Zwischenraumpflege Verzögert einen nötigen Termin, wenn man sich darauf verlässt
Unverdünntes Nelkenöl, Wasserstoffperoxid Nicht empfehlenswert Kann die Schleimhaut reizen oder verätzen
Rauchstopp Verbessert die Durchblutung und die Abwehrlage des Gewebes Anfangs kann die Blutung sogar zunehmen, weil sie vorher unterdrückt war

Bessert sich das Zahnfleischbluten in diesen 14 Tagen deutlich, war schlicht die Reinigung die Lücke. Bleibt es unverändert, sitzen die Beläge vermutlich unterhalb des Zahnfleischrands – und dort kommt keine Zahnbürste hin.

Dokumentieren Sie den Test schriftlich, das hilft beim Termin enorm. Notieren Sie täglich mit einem Strich, an welchen Stellen es geblutet hat. Nach zwei Wochen sehen Sie auf einen Blick, ob das Zahnfleischbluten abnimmt, gleich bleibt oder sich auf einzelne Zähne konzentriert. Genau diese drei Muster führen zu unterschiedlichen Empfehlungen.

Risiken, Grenzen und Alternativen

Ehrlich gesagt hat die Selbsthilfe klare Grenzen. Verhärtete Beläge (Zahnstein und Konkremente) unter dem Zahnfleischrand lassen sich zu Hause nicht entfernen, weder mit Bürsten noch mit Spülungen. Solange sie liegen bleiben, kehrt das Zahnfleischbluten zurück.

Ein zweiter Punkt wird oft übersehen: Ausbleibende Blutung ist kein Beweis für gesundes Zahnfleisch. Nikotin verengt die Gefäße, weshalb bei Rauchenden auch eine ausgeprägte Entzündung wenig oder gar nicht blutet. Der Befund kann dann schwerer sein, als er sich anfühlt.

Auch die Maßnahmen selbst haben Nachteile. Zu kräftiges Putzen führt zu Zahnfleischrückgang und empfindlichen Zahnhälsen. Chlorhexidin kann Zähne und Zunge verfärben und das Geschmacksempfinden vorübergehend verändern; deshalb eignet es sich nicht als Dauerlösung. Eine Munddusche ergänzt die Zwischenraumpflege, ersetzt sie jedoch nicht.

Hinzu kommt eine Grenze der Selbstbeobachtung: Zahnfleischbluten sagt nichts darüber aus, wie tief die Entzündung reicht. Ob nur der Zahnfleischsaum betroffen ist oder bereits der Knochen, zeigt erst die Messung der Zahnfleischtaschen mit einer Sonde. Diese Unterscheidung lässt sich zu Hause weder ertasten noch im Spiegel erkennen.

Ungewiss bleibt der individuelle Verlauf. Wie stark jemand auf Beläge reagiert, hängt unter anderem von Veranlagung, Rauchen, Stress und Begleiterkrankungen wie Diabetes ab. Eine verlässliche Prognose lässt sich vorab nicht stellen – wohl aber der Ausgangsbefund erheben.

Als Alternativen zur reinen Eigenpflege bleiben die professionelle Reinigung, bei fortgeschrittenem Befund eine parodontologische Abklärung und regelmäßige Kontrolltermine, wie sie auch die Vorsorgeempfehlungen der KZBV beschreiben. Die professionelle Zahnreinigung zählt überwiegend zu den privat berechneten Leistungen; die Berechnung richtet sich nach Befund und Aufwand gemäß GOZ, verbindliche Angaben erhalten Sie vorab in Ihrem individuellen Kostenplan.

Häufige Fragen zu Zahnfleischbluten

Wie lange darf Zahnfleischbluten anhalten, bevor ich zum Zahnarzt gehe?

Als Orientierung gelten 14 Tage. Reinigen Sie in dieser Zeit zweimal täglich zwei Minuten mit weicher Bürste und einmal täglich die Zahnzwischenräume. Bessert sich das Zahnfleischbluten deutlich, war die Reinigung die Ursache. Bleibt es unverändert oder nimmt es zu, sollten Sie einen Termin vereinbaren.

Ist Zahnfleischbluten immer ein Zeichen für eine Entzündung?

In den allermeisten Fällen ja. Gesundes Zahnfleisch blutet bei normalem Putzen nicht. Selten stecken andere Ursachen dahinter, etwa Medikamente, ein ausgeprägter Vitamin-C-Mangel oder eine Erkrankung des Blutbildes. Treten zusätzlich blaue Flecken oder Nasenbluten auf, sollten Sie das auch hausärztlich abklären lassen.

Darf ich bei blutendem Zahnfleisch weiterputzen?

Ja, und zwar auch genau an der blutenden Stelle. Wer die Region ausspart, lässt den Belag liegen, der die Entzündung unterhält. Putzen Sie mit weichen Borsten und wenig Druck, in kleinen rüttelnden Bewegungen am Zahnfleischrand entlang. Die Blutung nimmt bei täglicher Reinigung üblicherweise binnen ein bis zwei Wochen ab.

Hilft eine härtere Zahnbürste gegen Beläge am Zahnfleischrand?

Nein. Harte Borsten entfernen nicht mehr Belag, sondern verletzen entzündetes Gewebe zusätzlich und begünstigen langfristig Zahnfleischrückgang sowie empfindliche Zahnhälse. Entscheidend sind Technik, Systematik und Zeit. Eine weiche Bürste mit abgerundeten Borsten reicht vollständig aus, wenn Sie jede Fläche erreichen.

Reicht eine Mundspülung gegen Zahnfleischbluten aus?

Nein. Spülungen erreichen den Biofilm mechanisch nicht, deshalb ersetzen sie weder Bürste noch Zwischenraumpflege. Eine Chlorhexidin-Spülung kann kurzfristig als Ergänzung sinnvoll sein, allerdings nur nach zahnärztlicher Rücksprache, weil Verfärbungen und Geschmacksveränderungen auftreten können. Salzwasser und Kamillentee wirken lindernd, aber nicht ursächlich.

Warum blutet mein Zahnfleisch nur an einer einzigen Stelle?

Eine örtlich begrenzte Blutung über mehrere Wochen hat oft eine mechanische Ursache: ein überstehender Füllungs- oder Kronenrand, eine Zahnfleischtasche, ein eingespießtes Bruchstück oder eine Speiserestnische. Solche Stellen lassen sich zu Hause kaum beseitigen. Lassen Sie den betroffenen Zahn deshalb gezielt untersuchen.

Ich rauche und mein Zahnfleisch blutet nie – ist alles in Ordnung?

Nicht unbedingt. Nikotin verengt die Blutgefäße im Zahnfleisch, sodass eine Entzündung wenig oder gar nicht blutet. Fehlendes Zahnfleischbluten ist bei Rauchenden also kein verlässliches Entwarnungssignal. Umso wichtiger sind regelmäßige Kontrollen mit Messung der Zahnfleischtaschen.

Zahnarztpraxis am Senser Platz in Lörrach

Falls die Blutung trotz sorgfältiger Reinigung bleibt, schauen wir uns den Befund in Ruhe an: Zahnfleischtaschen messen, Beläge sichtbar machen, Putztechnik gemeinsam durchgehen. In der Zahnarztpraxis am Senser Platz, Tumringer Straße 199 in 79539 Lörrach, behandeln zwei Zahnärzte; Termine vereinbaren Sie telefonisch unter 07621 84800 oder über unsere Kontaktseite. Wir nehmen uns Zeit für Ihre Fragen – auch dann, wenn Sie zunächst nur wissen möchten, wie ernst die Sache ist.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine zahnärztliche Untersuchung,
Diagnose oder Beratung. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Zahnärztin oder Ihren Zahnarzt.

Quellen